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Probleme bei der Ausfinanzierung von Pensionszusagen

12.05.2015

Der Wunsch möglichst früh und gut abgesichert in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen, gilt für alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen. Man möchte ja schließlich seinen Ruhestand genießen und nicht groß sparen müssen, wenn man schon sein ganzes Leben hart gearbeitet hat. Wer sich dazu heute noch allein auf die gesetzliche Rentenversicherung verlässt, der wird wohl sehr schnell feststellen müssen, dass er verlassen ist. Selbst der einstig größte Verteidiger der gesetzlichen Rente, Norbert Blüm, schreibt heute lieber Bücher über das angeblich marode und ungerechte Rechtssystem in Deutschland, statt lauthals über die Qualitäten der gesetzlichen Rente zu referieren. Der Staat hat dies schon vor einigen Jahren erkannt und stärkt den Aufbau der privaten Altersvorsorge mit immer größeren Anreizen und Zulagen.

Für Unternehmer und Geschäftsführer war die sog. Pensionszusage bis vor einigen Jahren ein besonders beliebtes Mittel, reichlich Steuern zu sparen und die Altersvorsorge ordentlich zu stärken. Viele bauten sogar auf Anraten der Steuerberater ihre komplette Altersrentenplanung auf eine solche Zusage auf. Hintergrund ist hierbei, dass das Unternehmen dem Empfänger eine Altersrente zusagt, die ihm ab einem bestimmten Alter und in einer bestimmten Höhe dann monatlich zufließen soll. Wie das Unternehmen diese Zusage dann erfüllt, ist eigentlich Sache des Unternehmens. Hierbei könnte man eine Kapitalansparung bilden, in einen Fonds investieren, eine Immobilie kaufen, eine Versicherung abschließen oder das Geld für die zu zahlende Rente monatlich aus dem Unternehmenscashflow entnehmen. Wichtig ist nur, dass die zugesagte Rente fließt und eingehalten wird, da man im Gegenzug hierfür jährlich hohe Rückstellungen bilden darf, die wiederum die Steuerlast des Unternehmens senken. Und an dieser Stelle kommen bei vielen Unternehmen schon die ersten Probleme auf, nämlich die nicht stattfindende oder zu geringe Ansparung für eine spätere Rentenleistung. Im Klartext ist es in vielen deutschen Unternehmen Alltag gewesen, die jährlichen Steuergeschenke vom Staat zu nehmen aber eben nichts oder wesentlich zu wenig für die kommende Verpflichtung anzusparen. Dadurch entstehen zurzeit zwei noch größere Probleme. Zum einen haben viele Unternehmer und Steuerberater die längere Lebenserwartung der Empfänger unterschätz, was die Summe der Ansparungen oder Belastungen weiter verstärkt hat und zum anderen klafft durch die nicht ausreichende Ausfinanzierung eine immer größer werdende Lücke in der Bilanz zwischen Rückstellung und Rückdeckung. Dies spüren viele Unternehmer zunehmend in Bankgesprächen für Finanzierungen des Unternehmens oder gar in Verkaufsverhandlungen mit einem Nachfolger oder einem potentiellen Käufer, die immer weniger bereit sind, dieses sog. Bilanzblei zu übernehmen, stellen doch die schlecht gemachten Zusagen eine immer größere Belastung für künftige Besitzer dar.

Nun gab es aber auch eben die Unternehmer und Berater, die sowohl die damalige Ausfinanzierung und die steigende Lebenserwartung anständig eingeschätzt haben und heute leider trotzdem vor einem größer werdenden Problem stehen. Denn von dieser Gruppe wurden in weiser Voraussicht Rentenversicherungen, sog. Rückdeckungsversicherungen, abgeschlossen, die nun für das Unternehmen eine lebenslange Rente erwirtschaften sollten, damit die Zusage immer anständig gedeckt ist und somit kein Problem für das Unternehmen auftaucht. Leider wurden diese Verträge nicht regelmäßig geprüft und angepasst und niemandem fiel in der Vergangenheit auf, dass die Zinsen der Versicherer immer weiter gefallen und somit die Ablaufwerte gesunken sind. Also leider eine weitere Quelle einer schleichenden Unterdeckung und den damit oben beschriebenen Problemen.
In der Praxis ist es zumeist eine Kombination aus mehreren Problemen, die im Arbeitsrecht, im Steuerrecht und in der Kapitalanlage liegen und zu lösen sind. Die immer wieder kehrende Meinung, dass die Lösung der Probleme eine einfach Insolvenz des Unternehmens sein, ist jedem seriösen Berater ein Graus und völlig falsch, da der Staat niemanden einfach so aus seiner Verantwortung lässt. Schon gar nicht, wenn es sich um Steuergelder handelt, die gespart wurden und somit noch offen sind.

Die gute Nachricht ist aber, dass es genügend seriöse Ansätze und Möglichkeiten gibt derartige Probleme anzugehen und zu lösen. Man muss es nur anpacken! Unser Ansatz sieht hierbei einen 4 Stufenplan vor:

1. Aufnahme und Sichtung der Ist Situation der Zusagen, Finanzierungsmittel und der betriebswirtschaftlichen Rahmendaten des Unternehmens. Hierbei sehen wir uns als beratende Consultants im Miteinander und es ist ein enger Dialog mit dem Unternehmer und dem betreuenden Steuerberatern zwingend notwendig.
2. Die Zusagen und die Ausfinanzierungsmittel werden von uns überprüft und es wird ein Sanierungskonzept erstellt, welches dem Unternehmer und seinen Beratern vorgestellt und erläutert wird. Ziel ist es die Lösung der Probleme zu erreichen und ein zukunftsfähiges Konzept aufzubauen, welches für alle Beteiligten passend ist.
3. Das nun verabschiedete Konzept wird von uns für den Unternehmer unter Mithilfe und Einbindung seiner bisherigen Berater umgesetzt. Die Mithilfe der Steuerberater ist unbedingt notwendig, da diese den gesamten steuerlichen Part betreuen und flankieren müssen. Unsere Aufgabe bezieht sich auf die Prüfung und Sanierung der Zusagen, nicht jedoch auf die rechtliche und steuerliche Beratung und Betreuung.
4. Die Konzeption wird von uns jährlich geprüft und überwacht. Bei Änderungen der Rechtsprechung, des Ausfinanzierungsgrades oder sonstiger Veränderungen muss zeitnah reagiert werden, damit die Zusagen nicht wieder in Probleme laufen oder Unterdeckungen entstehen.

Dieser Ansatz ist unbedingt erforderlich, da es kaum einen Bereich gibt, der so beratungsintensiv ist, wie die Pensionszusage. Da man sich hierbei zeitgleich im Steuerrecht, Arbeitsrecht und in den Tücken der Kapitalanlage befindet, gibt es unzählige Quellen der Veränderungen und diese müssen jährlich geprüft und angepasst werden. Fragen nach dem Ausfinanzierungsgrad, dem rechtlich korrekten Inhalt der Zusage, der aktuellen Situation der Empfänger, dem Insolvenzschutz, der Situation der Firma, den Anforderungen der Finanzämter und der Lage des Kapitalmarktes oder des Ansparweges sind nur ein kleiner Ausschnitt der Anforderungen, die an die Berater und die Begleitung gestellt werden.

Trotz aller Probleme wäre es jedoch völlig falsch, die Pensionszusage für tot zu erklären, vielmehr ist es wichtig aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und die offenen Probleme der laufenden Zusagen zu sanieren und bei neuen Zusagen zu verhindern. Hierbei ist es völlig egal, für welchen Weg der Altersvorsorge sich der Unternehmer oder Geschäftsführer entscheidet, ohne eine regelmäßige Betreuung und Überprüfung durch kompetente Spezialisten wird das Optimum in jedem Fall verfehlt.